Trainingsinhalte

Aufbau einer Trainingseinheit

Eine Trainingseinheit dauert in der Regel 90 Minuten (ein Kindertraining 45 Minuten oder 60 Minuten). Jedes Training beginnt mit einer kurzen Meditationsphase auf das Kommando „Mokusu“. Sie dient dazu, den Alltag hinter sich zu lassen, den Geist frei zu machen und sich auf das Training einzustimmen. Dabei wird die Haltung „Seiza“ eingenommen. Die Gruppe kniet in einer Linie, man sitzt mit gerade aufgerichtetem Oberkörper auf den Fersen, die Hände liegen locker auf den Oberschenkeln. Die Augen sind während der Meditation geschlossen, die Bauchatmung fließt ruhig, gleichmäßig und tief.

Die Meditation endet mit dem Kommando „Mokuzu Yame“. Nach der Meditation wird zweimal gegrüßt, einmal nach vorne („Shomen ni Rei“), um vor uns trainierenden Generationen unseren Respekt zu erweisen,  und einmal zum Lehrer („Sensei ni Rei“).

Anschließend wird der Körper mit Aufwärm-, Mobilisations- und Kräftigungsübungen auf das Training vorbereitet, geschmeidig gemacht und der Kreislauf in Schwung gebracht. Dieser erste Teil nimmt etwa ein Drittel des Trainings in Anspruch.

Danach folgen die verschiedenen Übungen, z. B. vorbereitende Übungen zur Körperwahrnehmung, Grundtechniken („Kihon“), Kata, Kata-Anwendungen („Bunkai“) und Partnerübungen („Kumite“). Dieser Teil nimmt mit etwa zwei Drittel den Hauptteil des Trainings ein.

Am Ende eines Trainings werden nochmals Mobilisationsübungen durchgeführt. Beendet wird das Training wieder mit einer Meditationsphase, in der man das Erlernte noch einmal an sich vorbeiziehen lässt.

Shima Ha Shorin Ryu Karate

島派松林流空手

Karate ist eine Kampfkunst aus Okinawa (Japan). Sie ging aus der einheimischen Selbstverteidigungsmethode Te (手) hervor, die einerseits vom chinesischen Quanfa (拳法) und andererseits von der Schwerttechnik der okinawanischen Samurai (Jigen-Ryu, 示現流) beeinflusst wurde. Es gab ursprünglich drei große Kampfkunstzentren auf Okinawa: Shuri (Königssitz), Tomari und Naha. Jede dieser Städte gab den Namen für die in ihr praktizierte Ausrichtung des Karate: Shuri Te, Tomari Te und Naha Te. Die beiden Linien Shuri Te und Tomari Te mündeten im Shorin Ryu, das heute noch von vielen Karateka praktiziert wird.

Aus den ursprünglichen Richtungen haben sich viele moderne Karatestile gebildet, auf die zunächst der Wettkampfgedanke, später auch der reine Fitnessgedanke einen großen Einfluss ausübten. Im Laufe der Entwicklung des modernen Karate geriet jedoch ein beträchtlicher Teil des Wissens um die alte Kunst in Vergessenheit. Sie wurde verändert oder für den Unterricht großer Gruppen vereinfacht und 
systematisiert. Ursprünglich
 verschiedenartige Techniken der Kata wurden einander angeglichen.

Das Shima Ha Shorin Ryu Karate geht hier jedoch zurück zu den Wurzeln. Es ist eine Form des Shorin Ryu, die auf Shima Masaos Lehren basiert und von Oshiro Toshihiro Shihan aufgrund seiner Kampfkunsterfahrung weiterentwickelt wurde. Es verbindet das klassische Matsubayashi Shorin Ryu mit Bewegungsprinzipien des Yamanni Chinen Ryu Kobujutsu. Durch diese Verbindung entstand ein dynamisches und effektives System, das viel Körperbeherrschung und Körperbewusstsein erfordert. Ein großes Anliegen Oshiro Shihans ist es, Karate als das zu üben was es ist: eine Kampfkunst. Dazu gehört beispielsweise Angriffe nicht offensichtlich zu machen, wie es im modernen, sportlich orientierten Karate der Fall ist. Schnelle, versteckte Bewegungen mit dem gezielten Einsatz des eigenen Körpergewichts sind kennzeichnend für das Shima Ha Shorin Ryu.

Diese Prinzipien findet man heute nur noch in wenigen Karatestilen und oft nur bei alten Meistern. Bei den meisten Stilen sind junge Leute bevorteilt, die sportlich am fittesten sind. Doch diese Formen des Karate sind Kampfsport und nicht Kampfkunst.

Yamanni Chinen Ryu Kobujutsu

山根知念流古武術

Zum Karate gehört auch das Waffentraining, bei dem der Umgang mit dem Bo (Langstock) und den Sai (Eisengabeln) geübt wird. Das Waffentraining und das Karatetraining wurden auf Okinawa zusammen unterrichtet, wobei man mit dem Umgang mit den Waffen begann. Der Bo und die Sai sind dem Körper des Lernenden angepasst um die sehr fließende Bewegungsdynamik verwirklichen zu können, die unseren Stil, das Yamanni Chinen Ryu, ausmacht. Das Wort Kobujutsu bedeutet „alte Kriegskunst“.

Der Überlieferung nach brachte der legendäre Meister Sakugawa Tode im 18. Jahrhundert eine Stock-Kampfkunst aus China nach Okinawa. Die adelige Chinen Familie, welche mit dem Schutz vieler Aristokraten betraut war, übernahm diese Kampfkunst und entwickelte sie über mehrere Generationen weiter. Von der Chinen Familie leitet sich der heutige Name der Kampfkunst, Yamanni Chinen Ryu, her. Auch die Palastwache des okinawanischen Königs in Shuri verwendete Botechniken, die auf diesem Stil basierten.

Eine Legende besagt, Chinen Sanda Peichin (1846-1928), einer der ersten Großmeister des Stils, habe einst von einem peitschenden Bo geträumt. Inspiriert von diesem Traum entwickelte er Schwünge und Schläge, die unverzüglich in die Ausgangsposition zurückführten bzw. eine außergewöhnlich schnelle Schlagfolge zuließen. Dieses System lehrt heute eine ausgeklügelte Körperdynamik. Trotz der geschmeidig anmutenden Bewegungen kann man den Stock dabei förmlich durch die Luft schneiden hören.

Kishaba Chogi Sensei studierte Yamanni Chinen Ryu unter Chinen Masami, dem Enkel Chinen Sandas. Dieses Wissen gab er an Oshiro Toshihiro Shihan weiter.