Grundlagen mit Tiefe: Lehrgang mit Oshiro Shihan in Alpen
Sieben Stunden Fahrt liegen zwischen Feldkirchen und Alpen am Niederrhein. Am Wochenende des 12. und 13. September 2026 machten sich Dojoleiter Florian Fischer (4. Dan) und Simon Buchner (1. Dan) vom Oshiro Dojo Feldkirchen auf den Weg dorthin. Rund 130 Karateka aus allen deutschen RBKD-Dojos sowie aus Spanien, Dänemark und Norwegen kamen zu dem zweitägigen Lehrgang zusammen.
Unterrichtet wurde von Toshihiro Oshiro Shihan (9. Dan), unterstützt von Sonya Chang Sensei (6. Dan), Hiro Obara Sensei (5. Dan) und Michael Horsman Sensei (8. Dan). Ausrichter war das Oshiro Dojo Niederrhein unter der organisatorischen Leitung von Steven Utracik (4. Dan).

Im Mittelpunkt standen an beiden Tagen die Grundlagen des Shima Ha Shorin Ryu Karate sowie des Yamanni Chinen Ryu Bojutsu und Saijutsu. „Grundlagen“ bedeutete dabei allerdings nicht einfache Übungen. Immer wieder ging es darum, wie der Körper in der Bewegung eingesetzt wird: um Schwerpunkt und Fußarbeit, den Einsatz der Hüfte und darum, wie eine Bewegung aus dem Rumpf heraus entsteht, statt vor allem mit der Kraft von Armen oder Beinen ausgeführt zu werden.
Eine wichtige Rolle spielten dabei Enbusen und Seichusen – Bewegungs- und Körperlinien, die möglichst genau aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist es, den Körper so zu organisieren, dass Techniken effizient ausgeführt werden können und zugleich möglichst wenig eigene Angriffsfläche entsteht.
Um sich auf diese Prinzipien konzentrieren zu können, griff Oshiro Shihan am Samstag bewusst auf grundlegende Kata zurück. Im Karate waren dies Kihon Kata Ichi bis San, im Saijutsu Saijutsu Kihon Kata Ichi. Im Bojutsu wurde mit Suuji no Kun gearbeitet – einer kurzen Kata, bei der gerade die wenigen Bewegungen eine sehr genaue Ausführung verlangen. Die Fortgeschrittenen ab dem 3. Dan beschäftigten sich zusätzlich mit Jitti und arbeiteten dort an Details der Feinform.
„Gerade nach vielen Jahren Training ist es spannend zu erleben, dass in Bewegungen, die man schon unzählige Male ausgeführt hat, immer noch mehr steckt, als man bisher entdeckt hat. Entscheidend ist nicht, immer mehr Techniken zu sammeln, sondern genauer zu verstehen, was im eigenen Körper passiert“, sagt Dojoleiter Florian Fischer. Er lernte Oshiro Shihan vor rund 25 Jahren kennen. „Von diesem Wochenende nehme ich einige sehr konkrete Punkte mit, an denen wir auch bei uns in Feldkirchen weiterarbeiten werden.“
Am Sonntag wurde in mehreren Leistungsgruppen weitertrainiert. Für die Danträger stand unter anderem Tomari Passai auf dem Programm. Die Kata ist in der von Oshiro Shihan vermittelten Form besonders charakteristisch für das Shima Ha Shorin Ryu. Oshiro Shihan erläuterte kleinere Veränderungen im Ablauf, die aus seiner fortlaufenden Beschäftigung mit den historischen Formen hervorgegangen sind und die Kata wieder näher an ihre ursprüngliche Ausführung heranführen. Dabei arbeitete er auch den Unterschied zwischen modernen, stärker wettkampforientierten Ausführungsformen und einer Trainingsweise heraus, die Karate weiterhin als Kampfkunst versteht. Dazu zeigte und erklärte er Anwendungen einzelner Bewegungen.
Wenn rund 130 Übende aus verschiedenen Dojos und mehreren Ländern zusammenkommen, werden technische Entwicklungen nicht nur unmittelbar weitergegeben. Oshiro Shihan legt zugleich großen Wert auf den Austausch zwischen den Dojos. Korrekturen, Erfahrungen und unterschiedliche Trainingsperspektiven konnten an diesem Wochenende deshalb direkt miteinander abgeglichen und anschließend in die eigene Trainingsarbeit mitgenommen werden.
Für Simon Buchner blieb besonders die Arbeit an der Körpermechanik hängen: „Von außen sieht manches fast unspektakulär aus. Wenn man dann versucht, eine Technik wirklich aus dem Rumpf entstehen zu lassen und Arme und Beine nicht einfach mit Muskelkraft einzusetzen, merkt man erst, wie anspruchsvoll das ist. Genau an solchen Details möchte ich jetzt weiterarbeiten.“
Neben vielen Stunden in der Halle blieb auch Zeit für Gespräche zwischen den Teilnehmern aus den verschiedenen Dojos. Das Team des Oshiro Dojo Niederrhein hatte das Wochenende bis hin zur Verpflegung sorgfältig vorbereitet.
Nach zwei Trainingstagen ging es für die beiden Feldkirchner wieder auf die rund siebenstündige Rückfahrt nach Bayern – mit einer ganzen Reihe konkreter Korrekturen und Trainingsaufgaben im Gepäck.
Vielen Dank an Steven Utracik und das gesamte Team des Oshiro Dojo Niederrhein für die Vorbereitung und Organisation des Wochenendes sowie an Oshiro Shihan, Sonya Chang Sensei, Hiro Obara Sensei und Michael Horsman Sensei für den intensiven Unterricht.
